Online-Datingportale – auch bei speziellen Gesuchen?

Zunächst einmal zu dem oben gebrauchten Begriff der speziellen Gesuche: In Ermangelung eines bekannten Begriffs beziehungsweise einer Phrase habe ich mir diesen überlegt, um all das zusammenzufassen, was vom Bild einer heterosexuellen monogamen Partnerschaft abweicht, wie es die häufigste Art der Partnerschaft ist. Darunter fallen also zum Einen Gesuche, die nicht der Heterosexualität entsprechen, und zum Anderen solche, die nicht auf Monogamität abzielen. Zu guter Letzt bezeichnet er auch solche Suchen, die nicht eine Partnerschaft zum Ziel haben.
Für alle diese Arten von Gesuchen gibt es Online-Datingportale. Diese ermöglichen es den Suchenden, unbeeinflusst von feindlichen Stimmungen in der Gesellschaft ein passendes Arrangement zu finden, welches sie glücklich macht. Denn diese wirkt dem persönlichen Glück der Andersdenkenden nur zu oft entgegen, indem sie sie entsprechend ihrer engstirnigen Moralvorstellungen be- und verurteilt. Dabei wird nicht beachtet, dass nicht alle Menschen die gleichen Moralvorstellungen teilen – und dass es vielleicht Dritte einfach nichts angeht, wie Andere in ihrem ganz persönlichen Liebesleben verfahren. So helfen Online-Datingportale, indem sie die Partnersuche unbeobachtet von den Augen Dritter ablaufen lassen.
Zudem berücksichtigen die Online-Dienste die sexuellen Präferenzen der Suchenden, sodass beispielsweise homosexuellen Männern nur andere homosexuelle Männer vorgeschlagen werden. Dazu dient vor allem die Seite GAY.de, welche sich schon lange auf diese Zielgruppe spezialisiert hat.
Für andere Gruppen von Personen haben sich andere spezielle Datingportale herausgebildet. Eine relativ große Anzahl beschäftigt sich mit dem sogenannten Casual Dating, was eben nicht auf eine längerfristige feste Partnerschaft abzielt. Hier stehen eher der freie Flirt sowie das erotische Erlebnis im Mittelpunkt. Die darauf spezialisierten Seiten heißen JOYclub, Lovepoint, First Affair, C-Date und Secret.de. Manche davon kennt man möglicherweise auch aus der Werbung im Fernsehen zu späterer Stunde. Viele dieser Seiten bedienen auch die Klientel, welche ihrer sonst monogamen Beziehung in einem Seitensprung entfliehen möchte, und dabei bieten sie große Anonymität und Professionalität. Diese Seiten sind allerdings ebenso für Partner in einer polygamen Beziehung geeignet, die vielleicht sogar einen neuen Partner für längere Zeit suchen, der dabei auch ihre im Vordergrund stehende Beziehung respektiert.
Nicht zuletzt erfreut sich in den letzten Jahren das mobile Dating immer größerer Beliebtheit. Die bekanntesten Plattformen dazu sind Lovoo und Tinder. Doch auch hier dominiert nicht die Suche nach einem Partner für eine ernste Beziehung, sondern eher die Suche nach einem Hookup oder einer Liebelei ohne Verpflichtungen. Manchmal besteht der Reiz der Suche auch nur in einem interessanten Flirt, den man führen kann, ohne der anderen Person zu große Hoffnungen zu machen, dass sich daraus etwas entwickeln könnte, was von größerer Bedeutung und Dauer wäre.
Wir halten also zusammenfassend fest: Die heutigen Online-Datingbörsen bedienen eine nahezu unbegrenzte Klientel von Menschen auf der Suche nach einem Partner – alles im Rahmen des Gesetzes ist möglich. Dabei wird durch den Ausschluss Dritter ein Kokon geschaffen, in dem man sicher und unbeeinflusst von etwaigen negativen Kommentaren seinen Neigungen nachgehen kann – welcher Art diese auch sind, ob sie überhaupt eine Form der längerfristigen Beziehung beinhalten oder nicht.